Home
Shanghai Sehenswürdigkeiten
Uferpromenade Bund |
|
Uferpromenade Bund |
In seiner Mischung aus Liverpool und Manhattan der 20er
Jahre ist der Bund schon
immer die beeindruckendste
Strasse Shanghais gewesen. Seit 1949 trägt
er offiziell den Namen Zhongshan Road, unter
Einheimischen ist er jedoch besser als Wai Tan (äusserer
Strand) bekannt. Am Bund, dessen Name auf den alten
anglo-indischen Begriff bunding (Befestigung morastigen
Uferlands) zurückgeht,
schlug das wirtschaftliche Herz des alten Shanghai. Auf
der einen Seite war der Fluss, auf der anderen waren die
Büros der führenden
Banken und Handelshäuser.
Zu Zeiten, da Shanghai seine wilde Blütezeit
erlebte, befand sich am Bund auch ein betriebsamer
Hafen, in dem von winzigen Dschunken bis zu Ozeanriesen
alle möglichen
Wassergefährte
unter der wachsamen Kontrolle britischer, später
auch amerikanischer und japanischer Kriegsschiffe ihre
Fracht löschten.
Ausgehend von der Weibaidu Brücke
am Zusammenfluss des Huangpu und des Suzhou Kanals
erstreckt sich der Bund 1,5 km nach Süden
zur Jinling Dong Road, der ehemaligen Rue du Consulat.
|
 |
Bei Ausbruch des Chinesisch-Japanischen Krieges 1937
bildete die Waibaidu Brücke
eine Art Niemandsland zwischen den japanisch besetzten
Gebieten nördlich des
Suzhou-Kanals und dem internationalen Sektor – am einen
Ende hielten Japaner, am anderen Briten Wache. Obwohl
die meisten Schiffe heute weiter stromabwärts
anlegen, werden die Wasserstrassen noch rege als
Verbindungswege genutzt, und der Bund selbst wird gerne
als Ort für
einen Abendspaziergang oder
China Reisen die morgendliche Körperertüchtigung
aufgesucht, während
Touristen aus ganz China die Uferpromenade
entlang schlendern und Fotos von sich vor dem im
Hintergrund aufragenden Fernsehturm machen. Das erste
Gebäude
südlich der Brücke,
das ehemalige britische Konsulat, repräsentierte
einen der Eckpfeiler der britischen Interessen im alten
Shanghai und wurde demonstrativ von prachtvoll
gewandeten Sikh-Soldaten bewacht. Das weisse, nur wenig
nordöstlich von hier am
anderen Ufer des Suzhou-Kanals gelegene Gebäude
hat bis heute seine ursprüngliche
Funktion als russische Konsulat behalten. |
Direkt am Zusammenfluss der beiden Wasserstrassen
befindet sich eine weitere britische Schöpfung
aus früherer Zeit, der
Huangpu Park, dessen Untergrund aus angeschwemmtem
Schlamm und Schluff entstand, die sich um ein
Schiffswrack aufhäuften.
Heute steht im Park ein steinernes Denkmal für
die „Volkshelden“, gerne wird er auch von Eiheimischen
zum frühmorgendlichen
Taijiquan besucht, am lohnendsten ist er jedoch, um bei
einem Spaziergang einfach nur die Uferpromenade im Blick
zu haben, die die Szenrie der beiden Flüsse
beherrscht. Unter dem Denkmal ist ein kleines Museum
angesiedelt, das einen informativen Abriss der
Stadtgeschichte präsentiert
und eine Stippvisite wert ist.
Der weitere Weg den Bund entlang führt
an einer Reihe grandioser neoklassizistischer Bauten
vorbei, die einst errichtet wurden, um die grossen ausländischen
Unternehmen zu beherbergen. Von William Matheson, jenem
Mann, der mehr als irgendein anderer zum Ausbruch der
Opiumkriege und zur
Öffnung
Shanghais für den
Auslandshandel beitrung, wurde das Unternehmen Jardine
Matheson als erster ausländischer
Konzern gegründet, der
Land in Shanghai erwerben sollte. Im ehemaligen
Stammhaus ( nach 1949 ging sämtlicher
Besitz in China verloren) wenig nördlich
des Peace Hotel sitzt heute die China Texiles Expert
Corporation.
|
Peace Hotel und Bank of China
Am östlichen Ende der
Nanjing Road prunkt eines der berühmtesten
Hotels in China, das Peace Hotel, das ursprünglich
als Cathay Hotel seine Pforten
öffnete. Das Hauptgebäude
an der Nordseite der Nanjing Road ist das Uberbleibsel
eines weiteren grossen Handelshauses, dem der Sassons,
und war früher als
Sassoon House bekannt. Wie Jardine Matheson gründet
auch das Sassoon Imperium vor allem auf dem Opiumhandel,
wobei das Familienvermögen
bereits im frühen 20.
Jh. in Shanghaier Immobilien
angelegt war, wozu
Tibet
Reisen
auch das Cathay gehörte, das vor
dem Zweiten Weltkrieg der obligate Ort der Stadt war, an
dem „man“ gesehen werden musste. Noch heute ist das
Peace eine Domäne
der Reichen, jedoch ist auch für
weniger Betuchte die Bar mit ihrer legendären
Jazzband oder der Gang durch den verblassten Art-deco
Charme der Lobby und der oberen Geschosse durchaus einen
Besuch wert. Der kleinere Flügel
an der Südseite der
Nanjing Road beherbergte ursprünglich
das um 1906 errichtete Palace Hotel, in dessen |
 |
erster Etage
heute das nach westlichem Geschmack
eingerichtete Peace Cafe als beliebter
Treffpunkt im Zentrum dient.
Gleich neben dem Peace steht die in den 20er Jahren vom
Shanghaier Architektenbüro
Palmer & Turner entworfene Bank of China, 19 Zhongshan
Road (bzw. Bund), die nach ihrer Fertigstellung im
Auftrag der Erbauer von einem chinesischen Architekten
noch einmal nachgebessert wurde, um zu einem
„chinesischeren“ Erscheinungsbild zu gelangen. Zu diesem
Zwecke erhielt das Art-Deco Gebäude
ein chinesisches Dach und beeindruckt seither durch sein
gelungenes Nebeneinander der verschiedenen Stile. Die
Idee wird heute bis zum Exzess und weit weniger
ansehnlich im ganzen Land kopiert.
|
Vom Customs House nach Süden
Eines der wenigen Bauwerke, das bis heute seine ursprüngliche
Funktion behalten hat, ist das Customs House, ein Stück
weiter am Bund. Der charakteristische, 1927 nach dem
Vorbild des Londonger Big Ben fertig gestellte Uhrturm
wurde während
der Kulturrevolution allderings so weit umfunktioniert,
dass von ihm täglich
um 6 und um 18 Uhr „Der Osten ist Rot“ ertönte.
Inzwischen ist das Uhrwerk wieder restauriert worden.
Der Legende nach soll der im Viertelstundentakt
erschallende Glockenschlag den Gott des Feuers verwirrt
haben. Im Glauben, es handelt sich um eine Feuerglocke
und Shanghai würde ohne
Unterlass von Bränden
heimgesucht, entschloss sich dieser, der Stadt keine
Feuer mehr zu schicken. In der Lobby im Erdgeschoss können
ein paar verblasste Deckenmosaike mit maritimen Motiven
in Augenschein genommen werden.
Gleich nebenan steht das mit einem nicht minder
markanten Kupeldach bekrönte
und mit seiner Fassade zu den imposantesten Gebäuden
am Bund zählende
Stammhaus der Hong Hong & Shanghai Bank aus dem Jahr
1921. Jede Wand der achteckigen, marmornen Eigangshalle
schmückte eine
Darstellung der acht Hauptstandorte der Bank: Bangkok,
Kalkutta, Hongkong, Longdong, New York, Paris, Shanghai
und Tokio. Übrigens
soll es Glück bringen,
wenn man die Schnauzen der Bronzelöwen
reibt, die vor dem Eingang Wache stehen.
An der Ecke zur Yan’an Dong Road erreicht man das Tung
Feng Hotel, das bis 1949 mit dem Shanghai Club eine
Bastion weissen männlichen
Chauvinismus beherbergte und bis heute einen Eindruck
vom Shanghai der 20er und 30er Jahre vermittelt. Das
einstige Prunkstück des
Clubs, die 33 m lange Mahagonibar, an der sich die
reichsten der hiesigen Kaufleute und ihre europäischen
Gäste
zur Cocktailstunde eine Stelldichein gaben, existiert
heute zwar nicht mehr, dafür aber der im oberen Geschoss untergebrachte Seemannsclub, der zu
Beginn des 20. Jhs. Gegründet
wurde und nach wie vor Seeleuten als Treffpunkt dient. |
|